Auch ein Kreativ-Mensch muss mal was essen

Muss ich mich zwischen Kunst und Job entscheiden?

Die wenigsten kreativen Geister, die ich kenne, können sich mit ihrer Kunst finanzieren. Das ist, solange man noch bei seinen Eltern wohnt oder generell finanziell unterstützt wird, kein Problem. Spätestens jedoch, wenn man seine eigenen vier Wände zu verhalten hat, kommt irgendwann der Tag, an dem der Bauch und das Herz um die Wette randalieren und man sich zwangsläufig die Frage stellen muss: Sollte ich mir einen „vernünftigen“ Job suchen? Wie wichtig ist mir meine Kunst und Kreativität? Und wie wichtig mein Konto?

Eve Lamell - Kreativ oder vernünftig?

Entweder-oder, ganz oder gar nicht?

Ich habe viele Jahre in dem Glauben verbracht, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder ich schaffe es, in der Musik so erfolgreich zu werden, dass ich mich damit finanzieren kann, oder ich habe einen normalen geregelten Job, mit dem ich mein Leben bezahle und dafür schreibe ich die Sache mit der Kreativität dann aber ab. Ich dachte, es gibt nur eine Ganz-Oder-Gar-Nicht-Lösung.

So effektiv es auch sein kann, so zu denken, es hat einige sehr große Nachteile.
Zum einen bedeutet es irre viel Druck für sich selbst, mit der eigenen Kunst tatsächlich Geld verdienen zu müssen. Wenn man weiß, dass man diesen Monat unbedingt noch zwei Bilder verkaufen muss, weil man sonst seine Miete nicht bezahlen kann, kann das der totale Ideen-Killer sein. Zum anderen macht man sich leicht selbst dafür verantwortlich, wenn man sein Ziel nicht erreicht und redet sich ein, man sei ja nicht kreativ oder gut genug. Schnell ist man in einen tiefen Graben aus Selbstzweifeln und Frust gestürzt und gibt seine Träume auf.

Ich habe schon einige gute Künstler erlebt, die in diesem Fall einfach aufgeben, alles hinschmeißen und einen Großteil ihres Lebens in irgendeinem Büro abstumpfen. Auch mir ist es anfangs so gegangen. Das hat mich unglaublich frustriert. Doch dann habe ich erkannt, dass es auch einen dritten Weg gibt. Der klingt ziemlich banal und ist es eigentlich auch. Aber im Eifer des Gefechts, wenn man an sich und seinen Werten und Vorstellungen zweifelt, passiert es gerne mal, dass man die banalen Dinge einfach nicht mehr wahrnimmt.

Finde einen Mittelweg

Weg Nummer drei ist: Anstatt NUR erfolgreicher Künstler oder NUR erfolgreich im Beruf zu sein, suche dir einen Mittelweg. Finde einen vernünftigen Job, der dir halbwegs Spaß macht, der aber nicht jedes Körnchen deiner Lebenskraft aussaugt. Sondern eben nur so viel, wie du leisten muss, damit du deinen Job gut machst.

Der Vorteil dieses Weges ist, dass du nach der Arbeit und an den Wochenenden nicht total ausgebrannt bist und noch Zeit für Kunst und Kreativsein hast. Du kannst mit dem Job deine Rechnungen bezahlen, auch mal in den Urlaub fahren, dein Bankmensch ist nicht dein persönlicher Stalker und obendrein lernst und verbesserst du vielleicht sogar die ein oder andere Fähigkeit, die du in deiner Kunst- und Kreativwelt nutzen kannst. Der Nachteil ist dann natürlich, dass du in diesem Job wahrscheinlich keine große Karriere haben wirst. Für jede Art von Erfolg musst du viel Einsatz zeigen und das kostet wieder Zeit und Energie.

Der richtige Job

Ich muss zugeben, dass ich eine Weile gebraucht habe, bis für mich den richtigen Job gefunden habe. Nicht jeder Beruf gibt einem die Freiheit, viel Zeit für seine Kreativität zu haben. Und wenn dann stundenlanges Pendeln, Projektarbeit und Überstunden dazukommen, bleibt einem am Ende oft doch nicht so viel Zeit, wie man gerne hätte. Ich musste auch eine ganze Weile suchen, bis das alles für mich gepasst hat.

Wenn du gerade in derselben Situation bist, oder du kurz davor bist, deine kreative Seite an den Nagel zu hängen, weil du bisher noch keinen Durchbruch hattest und jetzt einen „vernünftigen“ Job suchen musst, dann könnte mein Weg Nummer drei vielleicht eine Option für dich sein. Schmeiß nicht gleich die Flinte ins Korn, sondern suche dir einen Mittelweg.
Oder bist du vielleicht noch ganz am Anfang und überlegst noch, wie du deine Ideen umsetzen kannst? Hier habe ich ein paar Tipps für dich!

Eve Lamell - kreativ oder vernünftig

Ich jedenfalls habe für mich selbst erkannt, dass nicht jedes Molekül, aus dem ich bestehe, NUR aus Kunst und Kreativität besteht. Klar, schreibe ich Songs. Aber ich kann auch ganz gut denken, bin kommunikativ und werde auch gerne mal intellektuell gefordert. Dass mich mein „vernünftiger Job“ durchfüttert, sehe ich eigentlich ganz positiv. Und obendrein kann ich in meiner Freizeit stressfrei kreativ sein, ganz ohne Existenzängste.

Darauf hat mich neulich sogar ein Münchner Musikprofessor aufmerksam gemacht. Er sagte: “Du bist in der perfekten Situation, kreativ zu arbeiten, weil du es nicht tun musst, um zu überleben.”

Wie siehst du das?

Hast du auch einen vernünftigen Normalojob? Wenn ja, magst du ihn? Oder ist der tägliche Weg dorthin die pure Folter für dich?

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